Dampflok 01 1063

Das Projekt zum 175-jährigen Jubiläum der ersten Deutschen Staatseisenbahn Braunschweig – Wolfenbüttel

Vor 43 Jahren wurde die Schnellzug-Dampflok 01 1063, EDV Nr. 012 063-3 des Bw Rheine auf den Denkmalsockel vor dem Hauptbahnhof in Braunschweig aufgestellt. Wie es dazu kam und welche Maßnahmen im Verlauf ihrer mittlerweile vierten optischen Aufarbeitung erforderlich waren, beschreibt hier der Bericht von Hans-Dieter Lewandowski.

 

43 Jahre sind vergangen, seit sich Braunschweigs Stadtväter entschlossen hatten, am damaligen Berliner Platz eine authentische Erinnerung an die Dampflokära aufstellen zu lassen. Die Frage, welche Maschine es denn nun werden sollte, war schnell beantwortet. Das VBV-Mitglied Wolfgang Fittkau, der u.a. über den Karnevalsverein „Vereinigung der Rheinländer“ ebenfalls guten Kontakt zum damaligen Oberbürgermeister Gerhard Glogowski pflegte, stand für dieses Vorhaben als sachdienlicher Berater zur Verfügung.

 

Im VBV hatte Fittkau letzte Dampflok-Sonderfahren, wie z.B. die mit der 01 1061 und der 01 1066 organisiert und diese Lokbaureihe dabei in sein Herz geschlossen. So wurde dann kein Arbeitspferd der Baureihe 50, 44 oder gar 94 aus dem Bahnbetriebswerk Braunschweig 1, sondern eine „Hochbeinige“ auserwählt. die man in Rheine, dem finalen Reservat der DB-Dampfrösser, sozusagen dem Schneidbrenner entriss. Die am 01.06.1975 betriebsfähig z-gestellte 01 1063 wurde 1. Wahl für den Sockel in Braunschweig. Als 012 063-4 des Bws Rheine beförderte sie noch am Abend des 31.05.1975 mit dem E 3265 (Münster-Emden) den allerletzten mit dieser Baureihe bespannten Regelzug der DB.

 

Alle 55 Lokomotiven der Baureihe 012 wurden von Schwartzkopff gebaut, erlebten mehr oder weniger verbeult den „Endsieg“ und landeten schließlich bei der DB, die die verrotteten Stromlinienverkleidungen alsbald entfernen ließ. Am 15.07.1954 erhielt die 01 1063, damals noch beim Bw Bebra stationiert, einen vollständig geschweißten Ersatzkessel von Henschel, den sie im Dezember 1962 wieder an die 01 1082 abgeben musste, als Ersatz am 21.01.1963 aber den Kessel von 01 1057 erhielt. Sämtliche Kesselwechsel wurden im AW Braunschweig durchgeführt. 34 Loks, darunter „unsere“ 01 1063 wurden ab 1960 beim Lokomotivbauer Henschel in Kassel auf Ölhauptfeuerung umgerüstet und zählten damit zu den stärksten Dampflokomotiven der Deutschen Bundesbahn.

 

012 063-3 bei ihrer letzten Planleistung am Abend des 31. Mai 1975 unter Volldampf mit dem Eilzug 3265 im Bahnhof Leer. (C) Foto: Helmut Boekhoff
012 063-3 bei ihrer letzten Planleistung am Abend des 31. Mai 1975 unter Volldampf mit dem Eilzug 3265 im Bahnhof Leer. (C) Foto: Helmut Boekhoff
Der Zeitzeuge Helmut Boekhoff erinnert sich...
Lesen Sie hier mit einem Klick wie Helmut Boekhoff die letzte Planfahrt von 012 063-3 erlebt und beschreibt!
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AW Braunschweig Zylinderblock einer 3-Zylinder-Dampflok
AW Braunschweig Zylinderblock einer 3-Zylinder-Dampflok

 

Februar 1977 -
Optische Aufarbeitung der 01 1063, nicht in der Tarnfarbe des ehemaligen Afrika-Corps, sondern noch im Grundierungsanstrich des AW Braunschweig. In der großen von den beißend wabernden Dämpfen der Schneidbrenner geschwängerten Richthalle des ehemaligen Dampflok-Ausbesserungswerkes hätte so manch Rußpartikelfanatiker seine Obsession gefunden. Der Begriff Feinstaubbelastung war damals noch nicht gebräuchlich. Im Vordergrund der arbeitslos gewordene Zylinderblock einer bereits zerlegten ehemaligen 3-Zylinder-Dampflok. Wäre zynisch, wenn das auch mal eine 012 gewesen wäre.

 

 

Im Frühjahr 1977, als das einst stolze AW Braunschweig zur Werkabteilung des AW Hannover-Leinhausen mutierte, wurde in der großen Richthalle, in der man zuletzt nur noch Dampfloks mit Schneidbrennern in „handhabbare Päckchen“ zerlegte, tatsächlich wieder an einer Maschine gearbeitet, die nicht für die Metallgewinnung “gebrandschatzt“ wurde. Wie ein leuchtender Stern in all den Trümmern der Auflösung und Zerlegung.

 

AW Braunschweig - Schiebebühne Ost
AW Braunschweig - Schiebebühne Ost

Am 28. April 1977 war es dann so weit. Die frisch lackierte 2‘ C 1‘ h3 „Pacific“ wurde wie in alten Tagen als allerletzte im AW Braunschweig hergerichtete Dampflok von der werkseigegen Köf II (BR 322) über die Schiebebühne Ost aus der großen Richthalle gezogen.

 

01 1063 Überführung mit 212 252-1
01 1063 Überführung mit 212 252-1

Der Schlot der 01 1063 sollte angesichts des anstehenden Straßentransportes vom Braunschweiger Nordbahnhof über den Altewiekring, wo man teils unter den Oberleitungen der Straßenbahn unterdurch musste, erst am Denkmalsockel montiert werden. Die Bereitstellung vom AW-Gelände zum Rbf übernahm 290 090-0, die Überführung vom Rbf zum Nordbahnhof mit Schutz- und Bremswagen erfolgte durch die 212 252-1.

 

Ladestraße Güterabfertigung Braunschweig Nord
Ladestraße Güterabfertigung Braunschweig Nord

Auf der Ladestraße der ehemals gut beschäftigten Güterabfertigung Braunschweig Nord wurden Lok und Tender getrennt und mit der Seilwinde einer weiteren Straßenroller-Zugmaschine auf die bereitstehenden, per Bahn (!) angereisten speziellen Schwerlast-Straßenroller gezogen.

 

Braunschweig - Überführung von 01 1063 auf der Kreuzung Altenwiekring - Leonhardstraße
Braunschweig - Überführung von 01 1063 auf der Kreuzung Altenwiekring - Leonhardstraße

Die Überführung vom Nordbahnhof wurde im April 1977 auf kürzestem Wege über den Ring durchgeführt. Das in dunkler Nacht entstandene Foto zeigt den Schwertransport auf der Kreuzung Altewiekring –Leonhardstraße nahe der Stadthalle. Mit dem Oberleitungs-Wartungsfahrzeug der damaligen Stadtwerke Braunschweig, links im Bild, mussten beim Passieren der Kreuzung die Straßenbahnoberleitungen angehoben werden, damit der Schwertransport passieren konnte.

 


Bild links: "KAELBLE Zugmaschine" mit dem Kennzeichen "DB 47-734" die Zugmaschine, mutmaßlich der Bauart KAELBLE KV 633 ZB, siehe: KAELBLE

Bild rechts: "01 1063 Transport auf den Sockel", zeigt, wie die Lok soeben vom Straßenroller per Seilwinde der Zugmaschine auf den Sockel gezogen wird, wie auch bereits umgekehrt im Nordbahnhof geschehen. Die leider nicht optimale Stellung der Treib- und Kuppelstangen auf dem Denkmalsockel ist dem Zufall geschuldet.
Die Fotos sind in Anbetracht der Umstände, unter denen sie entstanden sind, nicht gerade Meisterwerke, dürften aber recht selten sein, ihr Eisenbahnfreund Hans-Dieter Lewandowski bittet dazu um Nachsehen!

 


Auf dem linken Foto erscheint der sehr jugendliche Oberbürgermeister Glogowski mit einer damals noch gebräuchlichen Zugschlusslaterne aus Anlass seiner Rede zur Enthüllung des Dampflokdenkmals. Das rechte Foto dokumentiert die kostenlose Verteilung der Druckgrafik „Eine Dampflok für Braunschweig“, die ich anlässlich der Aufstellung der 01 1063 angefertigt hatte. Beide Fotos verdanken wir Herrn Peter Plagge, der damals bei der Stadt Braunschweig, Fachbereich Tiefbau und Verkehr tätig war und in Zusammenhang mit der Aufstellung der Lok nahe dem Hauptbahnhof mutmaßlich zur Wahrung der Belange der Stadt befasst gewesen sein dürfte.

 

Kolbentausch von Dampflok 01 1063 für die damalig defekte 01 1100
Kolbentausch von Dampflok 01 1063 für die damalig defekte 01 1100

01 1063 wurde von der damaligen Deutschen Bundesbahn als Dauerleihgabe an die Stadt Braunschweig übergeben, die sich um den optischen Zustand des Objektes zu kümmern hatte. Man durfte sich deshalb nicht darüber beklagen, dass sich die DB 1988 zum Weiterbetrieb ihrer „betriebsfähigen“ 01 1100 kurzerhand ihrer 11 Jahre zuvor betriebsfähig auf den Braunschweiger Sockel abgestellten 01 1063 als Ersatzteilespender bediente. Welche Komponenten abgebaut und in die 01 1100 eingebaut wurden, ist mir nicht bekannt. Dokumentieren konnte ich jedoch den kurzerhand durchgeführten Ausbau des Kolbens des rechten Dampfzylinders, um ihn anschließend in der 01 1100 verwenden zu können. Die Frage stand im Raum, ob es nicht wirtschaftlicher gewesen wäre, die im Triebwerk völlig intakte 01 1063 vom Sockel zu nehmen und an Stelle der störanfälligen 01 1100 zur betriebsfähigen Museumsdampflok des Verkehrsmuseums Nürnberg zu machen. Leider ist 01 1063 mit der falschen Betriebsnummer ausgestattet.

 


Foto links: Bereits am 3. November 1984, also gerade mal 7 Jahre nach Aufstellung der Maschine, forderten die Witterungseinflüsse einen ersten Neuanstrich des Dampflokdenkmals. Das Foto links zeigt die Lok vor Anbringung der Planen unter dem damaligen Gerüst aus Holz und Metallelementen.

Das rechte Foto von Heiko Samus dokumentiert die nach der Aufarbeitung im AW mittlerweile dritten Anstrengungen, das Lokdenkmal optisch wieder in Form zu bringen. Hinten am Tender erkennt man partiellen Rostschutzanstrich und ein Teilgerüst. Der Schwerölbehälter wurde mit Bitumenpappe zur Flachdachsanierung überklebt, was bei der bisher letzten Aufarbeitung vom September 2012 bis zum März 2013 noch viel Sorge bereiten sollte.

 


Die zuvor durchgeführten Maßnahmen waren weder objektgerecht noch nachhaltig. Die vier Aufnahmen zeigen beispielhaft, in welch schlechtem Allgemeinzustand sich das Lokdenkmal im März 2012 befand. Die Kesselbeblechung an der Sohle des Langkessels war großflächig durchgerostet und teilweise nicht mehr vorhanden, wie auch die Blechverkleidung im unteren Bereich des Stehkessels. In Höhe der Verbrennungskammer schauten die Kappen der Gelenkstehbolzen in der noch vom AW Braunschweig aufgebrachten Rostschutzfarbe hervor. Die Beschilderung des Führerhauses war auf der Lokführerseite zwar noch vorhanden, die Farbe war jedoch stark verwittert, das Blech blühte an mehreren Stoßstellen durch Rostbildung auf, einige Scheiben waren eingeschlagen worden oder nicht mehr vorhanden.

 

In der Braunschweiger Zeitung erschien ein groß aufgemachter Artikel mit Foto „Alte Liebe rostet doch!“ Höchste Zeit also, dass die in der Verantwortung stehende Stadt Braunschweig etwas unternahm, um den desolaten Gesamteindruck ihres Dampflokdenkmals wieder zu korrigieren. Die Interessenten, die sich der Sanierung der äußeren Hülle der 01 1063 annehmen sollten, standen nicht gerade Schlange. Ich plädierte für eine Standortverlagerung der Lok trotz der behindernden Bahnüberführungen über die Salzdahlumer Straße in die Borsig-bzw. Schwartzkopffstraße. Nach dem Angebot der Lappwaldbahn vom März 2012 wurde ich dann im Juli 2012 durch die Stadt Braunschweig, Fachbereich Kultur, mit der Projektkoordinierung der Sanierungsmaßnahmen an 01 1063 beauftragt. Die Suche nach geeigneten Fachfirmen für die anstehenden Arbeiten, sowie die Lieferung der benötigten Werkstoffe und der zu ersetzenden Ausrüstungsteile konnte beginnen.

 


Die beiden Aufnahmen zeigen den Beginn der Sanierungsmaßnahmen am 12. Oktober 2012, nachdem ich nach längerem Hin und Her eine Braunschweiger Metallbaufirma gefunden hatte, die sich bereiterklärt hatte, auch das für die sachgerechte Sanierung zwingend erforderliche Schutzzelt um die Lokomotive herum und darüber zu errichten. Links erkennt man erste Graffiti am Tender, rechts fehlende und teils desolate Loklaternen. Im Hintergrund die „Toblerone“.

 


Das Foto oben links bildet das durch die Metallbaufirma fertiggestellte Schutzzelt ab. Der kleine Junge "Anton" vor dem Zelt war zu diesem Zeitpunkt 9 Jahre alt (hier liegt ein Bezug zum Namen Anton des Esslinger Triebwagen sehr nah). Oben rechts sieht man den eingehausten Langkessel mit den Trittbereichen für das gefahrlose Arbeiten am Kesselscheitel. Das Foto unten links dokumentiert die Witterungseinflüsse am Wassernoteinlauf des Tenders hinten links, die rechte Aufnahme die Aufarbeitung der Loklaternen in der Werkstatt des Metallbaubetriebes.

 

Die Loklaternen von 01 1063 mussten aus Sammlerbestand ersetzt werden
Die Loklaternen von 01 1063 mussten aus Sammlerbestand ersetzt werden

 

Einige Loklaternen mussten aus Sammlerbestand ersetzt werden, weil sie so desolat waren, dass sie nicht mehr aufgearbeitet werden konnten. Die Wärme der Glühlampen der 24-Volt-Lokbeleuchtung erzeugte im Innern der Laternen ein sogenanntes Kleinklima. Das führte zu Schwitzwasser, das die Blechlaternen Einheitsbauart 50 korrodieren ließ. Auch aus diesem Grund stellte ich die Lokbeleuchtung komplett auf langlebige LED-Lampen mit deutlich geringerer Wärmeentwicklung bei gelichzeitig geringerem Energieverbrauch um.

 

 

 

 

 

 


Im Foto oben links erkennt man einen im Hintergrund in Schutzkleidung schwer arbeitenden Mann, der das Sandstrahl-Mundstück führt. Für Lokomotiven, die wieder rollen sollen, sind solche Maßnahmen trotz der Rollenlager im Triebwerk der 0110 allerdings nicht empfehlenswert! Oben rechts erscheint der bereits gestrahlte Dampfentnahmestutzen auf dem Kesselscheitel, unten links der gestrahlte Bereich am rechten Kesselspeiseventil nebst Waschlukendeckel und der Einheitspfeife 50, rechts daneben in Schokoladenbraun der fertig gestrahlte Langkessel. Auf die umfangreichen Sandstrahlarbeiten konnte nicht verzichtet werden, um dem Neulack des Lokomotivdenkmals eine haltbare Grundlage zu garantieren.

 


Auch rund um das Führerhaus waren diverse Schrupp-und Schweißarbeiten erforderlich. Insbesondere mussten im unteren Bereich über den seitlichen Trittrosten etliche Rostaufblühungen beseitigt und neu verschweißt werden.

 


Foto links oben; die Kesselverkleidung wurde großflächig durch verzinkte Bleche ersetzt, die in der Sohle mit Abtropföffnungen versehen wurden, damit das durch die Witterung eindringende Wasser ablaufen kann. Feuchtigkeit speicherndes Isoliermaterial wurde zuvor entfernt. Im Foto oben rechts erkennt man die neu angefertigte und passgerecht eingeschweißte Verkleidung einer Eckwaschluke des Stehkessels. Unten links ist das neu eingebaute Trittblech der Pufferbohle mit den beiden sanierten Laternenhaltern zu erkennen. Das Foto rechts unten zeigt die brandgefährlichen Sanierungsmaßnahmen an dem Tenderölbehälter, der bei den zuvor durchgeführten Sanierungsmaßnahmen wenig sach- und denkmalsgerecht mit Teerpappe überklebt worden war.

 


Nachdem der ursprüngliche Witterungsschutz abgebaut und eine neue Umhüllung errichtet worden war, mussten die Arbeiten durch den entstandenen Zeitverslust auch nachts und..., da wir bereits im Dezember waren, mit Gebläseheizung durchgeführt werden, damit das Denkmal noch lackiert werden konnte.

 

Das war der denkbar schlechteste Zeitpunkt, die Schutzplanen und das Gerüst an 01 1063 auszuwechseln
Das war der denkbar schlechteste Zeitpunkt, die Schutzplanen und das Gerüst an 01 1063 auszuwechseln

Das Thermometer verharrte unter Null, der erste Schnee des Nikolaustages 2012 war gefallen. Der Stahlkoloss 01 1063 war bereits komplett gesandstrahlt. Das war der denkbar schlechteste Zeitpunkt, die Schutzplanen und das Gerüst auszuwechseln. Es musste schnell etwas geschehen, wenn die bisher geleisteten Vorarbeiten nicht vergebens gewesen sein sollten. Das blanke Hinweisschild „Ausfahrt“ drängt sich in dieser Scene, wie aus der Zeit gefallen, in den Vordergrund. Einziger Trost, ich hatte weder diese Maßnahmen noch deren Zeitpunkt zu verantworten.

 


Des Nachts mit begrenztem Budget bei winterlichen Witterungsverhältnissen unter Zeitdruck zu arbeiten, damit der geforderte Fertigstellungstermin zum 175-jährigen Jubiläum der ersten Deutschen Staatseisenbahn Braunschweig – Wolfenbüttel gehalten werden konnte, bereitete nicht wirklich Freude. Und einfach mal Farbe über die Lok jauchen, war auch keine Option, wenn man dem Objekt in seiner Gänze gerecht werden wollte. Oben links sehen wir das erste Aufbringen eines speziellen Rostprimers auf die rechte Flanke des Tenderwasserkastens. Daneben das lackierte Triebwerk und den bereits in Schwarz abgesetzten rechten Dampfzylinder. Unten links sind drei Personen damit beschäftigt, das linke Witte-Windleitblech wieder zu montieren, während das Foto rechts meine in Heimarbeit durchgeführte optische Aufarbeitung der Messingglocke der Dampfpfeife Einheitslok 1950 zeigt, bevor ich sie poliert und mit Klarlack überzogen hatte.

 

Die ständig der Witterung ausgesetzte 01 1063 bedurfte auch in Sachen Neulackierung einer zuvor speziell getroffenen Entscheidung. Die Farbtöne wurden zwar entsprechend der DV 946 (Dienstvorschrift für die Aufarbeitung der Dampflokomotiven in den Ausbesserungswerken) ausgewählt, verwendet wurden jedoch ausschließlich hochwertige Zweikomponenten-Polyurethan-Industrielacke als Decklackierung aus dem Bereich des Schiffbaus. Das alles erforderte eine besondere Aufmerksamkeit, wie z.B. das Arbeiten unter dem Schutzzelt, die Einhaltung einer Mindesttemperatur beim Verarbeiten durch Einsatz eines mobilen Heizaggregates, sowie die gleichzeitige Überwachung und Dokumentation der Temperaturen an unterschiedlichen Stellen der Lok unter Zuhilfenahme digitaler Min/Max-Thermometer, die noch schnell beschafft werden mussten.

 

Im Januar 2013 die Tenderbeschriftung mittels Transferfolie
Im Januar 2013 die Tenderbeschriftung mittels Transferfolie

 

Im Januar 2013 wurde noch unter dem Witterungsschutz die Tenderbeschriftung mittels Transferfolie aufgebracht. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. So war das Fassungsvermögen des Tenders von Wasser und Öl versehentlich in m² statt in m³ angegeben. Dieser Lapsus konnte dann allerdings zeitnah auf die Dritte Dimension korrigiert werden. Alle anderen Angaben waren korrekt und blieben unangetastet. Etwas Kopfzerbrechen bereitete noch das korrekte Datum der letzten L2 an der Pufferbohle, das aber Dank der freundlichen Unterstützung von Arnold Lübke korrekt wie folgt dokumentiert werden konnte: Unt. Bwg.  L2  28. 2. 73

Untersuchungsdatum 01 1063
Untersuchungsdatum 01 1063

FABEG-Stecker der Loklaternen von Denkmal-Lokomotive 01 1063
FABEG-Stecker der Loklaternen von Denkmal-Lokomotive 01 1063

 

Kleinere Elektrokomponenten, wie die FABEG-Stecker der Loklaternen wurden von mir ebenfalls in Heimarbeit funktionsfähig aufgearbeitet. Die Loklaternen und Triebwerkslampen sollten bei Dunkelheit dauerhaft leuchten. Ein Großteil der Deckelschrauben musste ich ausbohren, um den Deckel abnehmen zu können und an die darunter liegenden Klemmen zu gelangen. Das Schneiden bzw. Bohren neuer Gewinde für die neuen Senkschrauben musste dann zwangsläufig im Anschluss durchgeführt werden.

 

Schiebeschubstange, Schieberstange, Voreilhebel, Lenkerstange und Kreuzkopf
Schiebeschubstange, Schieberstange, Voreilhebel, Lenkerstange und Kreuzkopf

 

Die im Original unlackierten Steuerungs- und Gestängeteile, wie Schiebeschubstange, Schieberstange, Voreilhebel, Lenkerstange und Kreuzkopf, die hier auf dem Foto der Heusinger Steuerung teilweise zu sehen sind, wurden mit Rücksicht auf den Korrosionsschutz mit silbrig schimmerndem Hammerite-Metallschutzlack abgesetzt, der kurzfristig leider nicht einige Nuancen dunkler zur Verfügung stand. Die fehlenden Kreuzkopfschmiergefäße stellte das Dampflokwerk Meiningen freundlicherweise kostenlos zur Verfügung!

 


Ein Großteil der Abschlussarbeiten, wie das farbliche Absetzen der Steuerungsteile, der Bremssohlen und Laufflächen der Radreifen, das Anbringen der Beschilderung und auch die Verkabelung der Lokbeleuchtung wurden kurz vor Entfernung des Schutzzeltes durch Mitarbeiter der Lappwaldbahn durchgeführt. Der Kenner des Lokdenkmals wird sich die Frage stellen, ob denn die Fabrikschilder gleich nach ihrer Montage bereits geklaut wurden. Wurden sie nicht! So gern ich sie angebracht hätte, es wäre an den abgerundeten Zylinderverkleidungen je eine adaptierende Blechkonsole erforderlich geworden, deren Herstellung das gedeckelte Budget, wie auch der knapp anstehende Übergabetermin verhinderten. Wer es nicht schon weiß, dem sei gesagt, dass die nachgegossenen, durchaus attraktiven Fabrikschilder mit folgenden Informationen aufwarten:

 

BERLINER MASCHINENBAU ACTIENGESELLSCHAFT, 1940 Nr. 11319, VORMALS BERLIN L: SCHWARTZKOPFF 

Fabrikschild 01 1063
Fabrikschild 01 1063

Hinweis am Rande: Auf dem am rechten Sockel des Lokdenkmals von der Stadt Braunschweig angebrachten gravierten Schild wurde das Baujahr der Lok fälschlicherweise auf 1939 datiert.

01 1063 zeigt sich wieder in ihrer Gesamtheit... einer imposanten, beeindruckenden Schnellzuglokomotive
01 1063 zeigt sich wieder in ihrer Gesamtheit... einer imposanten, beeindruckenden Schnellzuglokomotive

Am 16. Januar 2013 gehörte dann auch der zweite über der Rohrkonstruktion einer Braunschweiger Gerüstbaufirma zuvor installierte Witterungsschutz der Vergangenheit an. 01 1063 zeigte sich wieder in ihrer Gesamtheit. Nur eine gewisse Menge Strahlmittel, sowie einige Hinterlassenschaften der Schlosser und Gerüstbauer, die noch zu entsorgen waren, erinnerten an die unter den Planen durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen und verunzierten noch den Denkmalsockel und sein Umfeld.

 


Was man in der totalen Seitenansicht nicht gleich erkennt, offenbart sich bei näherer Betrachtung des Führerhauses auf seiner Heizerseite. Damit der Ortsbezug des Lokdenkmals und damit seine Legitimität an diesem Standort nicht in Frage gestellt wird - schließlich waren Loks der BR 012 nie in Braunschweig stationiert gewesen - hatte ich mich entschlossen, diesen Bezug über den Schaffenszeitraum des ehemaligen Dampflok-Ausbesserungswerkes Braunschweig auf der dem Bahnhof und damit auch der dem ehemaligen AW Braunschweig zugewandten Seite der Lok anzubringen. Weil der Hinweis auf die dort über 50 Jahre durchgeführten umfangreichen Arbeiten an Dampflokomotiven der üblichen, BD/Bw-Beschilderung entspricht, hatte selbst der DB-Beauftragte vom Verkehrsmuseum Nürnberg keinen Einwand gegen die meiner Initiative entsprungenen nicht DB-konformen Verfremdung der Beschilderung. Das rechte Foto zeigt die auf die dritte Dimension korrigierte Anschrift auf dem Öltender 2‘ 3 T 38 der 01 1063.

 

Als letzten Akt vor dem Großreinemachen des Denkmalsockels und der Übergabe als saniertes technisches Denkmal ließ ich noch 01 1063 durch eine Fachfirma aus Hannover vollständig mit einem Anti-Graffiti-Schutzlack überziehen, der zwar einige Schlieren hinterließ, das technische Objekt jedoch wirksam gegen verunzierende Farbschmierereien schützen half.

 

Nicht unerwähnt bleiben soll der Ersatz der teils nicht mehr vorhandenen Verglasung der Führerhausfenster. In Anbetracht des wissenschaftlich betrachteten „Broken Windows-Phänomens“ hatte ich mich für Plexiglasscheiben entschieden. Auf die Befürchtung der Auftraggeberin, ob denn Plexiglas das geeignete Material für die Lokomotive sei, erwiderte ich, dass das von mir beschaffte 6 mm starke Plexiglas mit einer 30-jährigen Garantie gegen Versprödung und Vergilbung geliefert wurde und, da auch im Flugzeugbau verwendet, gegenüber Sicherheitsglas eine 25-fache Bruchfestigkeit aufweist. Meiner Kenntnis nach sind die Anfang 2013 installierten Plexiglasscheiben bis heute an der Lok intakt.

 

Denkmal-Lokomotive 01 1063 zeigt sich im Jahr 2013 wieder in einem imposanten, beeindruckenden Glanz
Denkmal-Lokomotive 01 1063 zeigt sich im Jahr 2013 wieder in einem imposanten, beeindruckenden Glanz

Nachdem alle Abschlussarbeiten beendet waren und sich 01 1063 auch bei Dunkelheit wieder als attraktive Erscheinung präsentierte, konnte ich aufatmen. Seitens der Auftraggeberin gab es keinen Dank. Der Braunschweiger Zeitung war die Fertigstellung der vormaligen „Rostlaube“ eine kurze Randnotiz wert. Immerhin, in den einschlägigen Foren im Internet und den Fachmagazinen wurde das Ergebnis der Sanierungsmaßnahmen überwiegend positiv bewertet. Persönliche Anerkennung hatte ich darüber hinaus von Arnold Lübke erfahren, der nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass mein letzter Rest Empathie für das Projekt nicht noch zum Erliegen kam.

 

Der Auftraggeberin hatte ich bereits vor Beginn der Arbeiten klar gemacht, dass es besser sei, ein technisches Objekt, wie eine Lokomotive, nicht auf einen Sockel ins Freie zu stellen und damit dauerhaft der Witterung auszusetzen. Die Lokomotive wurde nicht dafür konstruiert, bei Wind und Wetter unbewegt auf einer Stelle zu verharren. Ein Gleis im Anheizschuppen West des aktuellen Lokparks wäre die bessere und auch passendere Alternative insbesondere im Umfeld der denkmalgeschützten Werkhallen des ehemaligen AW Braunschweigs gewesen.

 

01 1063 wird über kurz oder lang ihren angestammten Sockel verlassen müssen. Aus den Vorabskizzen der geplanten umfangreichen Veränderungsmaßnahmen am Bahnhofsumfeld war allerdings bisher kein neuer Standplatz für das Lokdenkmal auszumachen. Wo also soll sie hin, wenn mit der Umgestaltung begonnen wird? Man darf gespannt sein, ob Braunschweig in dieser Hinsicht seiner langjährigen Eisenbahntradition gerecht wird. Andere in Frage kommende Lokomotiven wurden leider auch fallengelassen, weil ihnen auch die falsche Betriebsnummer anhaftet.    Lokdaten: 01 1063

 

Hans-Dieter Lewandowski

 

 

Folgende Informationen erhielten wir zum Beitrag aus dem DSO-Forum, vielen Dank dafür!

 

Von Helmut Staben:

Es gab ein 01 und 01.10 im Bw Braunschweig, das waren Abgaben aus Minden über Lehrte (011 090, 011 098) und 01 (217, 190) aus Hannover. Diese Loks hatten alle nur noch Sondereinsätze, Umlaufpläne gab es nicht mehr.

Ergänzend noch der Hinweis, dass "unsere" 01 1063 vom 01.04.1945 bis zum 31.10.1947 als z-Lok im Bw Braunschweig geführt wurde (revisionsdaten.de u. a. Quellen). In der Endausführung als 012 mit Neubaukesssel und Ölfeuerung kam sie, wie alle 01.10 Öl/012, nur zu AW-Aufenthalten nach Braunschweig.
Die Sonderfahrt der 011 098 am 19.4.1970 nach Altenbeken habe ich mitgemacht, mit gerade 12 Jahren. Unter den Teilnehmern wurden Führerstandsmitfahrten verlost, habe leider nicht gewonnen. Einige Wochen früher, am 22.02.1970, fuhr sie den verspäteten D-Zug Moskau-Paris ab 8.10, so die VBV-Mitteilungen von damals.
Die Lok wurde übrigens 1977 mit der Seilwinde der Kaelble-Zugmaschine auf das Denkmalgleis gezogen: Es gab Wetten, wie am Ende die Kuppelstangen stehen würden...

 

Von Martin:

011 090, 093 und 098 waren zwischen 1968 und 1970 im Bw Braunschweig stationiert und dienten in erster Linie dem BZA Minden als Zugloks für Versuchsfahrten. Daneben liefen sie bei Bedarf im Braunschweiger 216-Plan. Legendär war die Abschiedsfahrt am 19.4.1970, als 011 098 mit ihrem Sieben-Wagen-Zug voller Eisenbahnfreunde u.a. nach Altenbeken kam. Letzte 01 in Braunschweig war übrigens 001 217, die noch bis 1971 durchhielt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Wolfgang Graßl (Samstag, 26 Dezember 2020)

    Hallo Herr Lewandowski,
    habe mit Interesse diesen Bericht gelesen. Mein Herz hängt an der 01 1063, seit ich am 3.8.1971 auf ihrem Führerstand von Münster nach Rheine vor dem D 714 mitfahren durfte. Im September 2008 besuchte ich die Lok anläßlich einer Nostalgiereise nach Rheine (im halb verfallenen Lokschuppen roch es immer noch nach Dampflok) in Braunschweig. Der typische Zustand von im Freien stehenden Loks machte mich traurig. Im August 2014 kam ich zum zweiten Mal nach Braunschweig und diesmal war ich begeistert vom Zustand der Lok. Man merkte, da waren Spezialisten am Werk. Ihre Idee, die Lok geschützt im ehemaligen Aw auszustellen, halte ich für sehr gut, ob sich allerdings die Stadtväter dafür erwärmen können, halte ich für unwahrscheinlich, denn das würde wieder Unsummen verschlingen. Ich bedanke mich für Ihre fachmännische Arbeit und Leitung der letzten Restaurierung und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg bei der Erhaltung der 012 063.
    Mit besten Grüßen nach Braunschweig aus München
    Wolfgang Graßl

  • #2

    Bernd Mundlos (Sonntag, 27 Dezember 2020 09:24)

    Herzlichen Dank für diesen informativen und zugleich zu Herzen gehenden Bericht - ein Weihnachtsgeschenk für Dampflokfreunde und Braunschweiger. Als Schüler bin ich unzählige Male auf der Strecke Königslutter - Helmstedt gefahren, meist im Dampflokbetrieb. Als Wehrpflichtiger manches Mal 1969/70 zwischen Rheine(!) und Braunschweig. Eine "01" war oft dabei��

  • #3

    A.L. (Sonntag, 27 Dezember 2020 11:44)

    Hallo Dieter, schön was von Dir zu lesen,
    weckt wieder Erinnerungen in mir, habe mich ja aus der Szene weitgehend zurück gezogen. Schade, dass es die Webseite eisenbahngeschiche -bs mit der BSE-Dokumentation, dem AW und der 01 1063 nicht mehr gibt.

    Gute Arbeit damals gewesen, unser Denkmal sieht aber langsam wieder schlechter aus, würde mal im Jahre 2025 mit ner nötigen Sanierung rechnen. Dieter Lewandowski hat vollkommen recht, die Lok gehört in eine Halle. Dieser Mann hat in der Braunschweiger Region die Eisenbahn- und Museumsbahnszene seit mindestens den 1970er Jahren deutlich mit geprägt, die 41 096 gerettet und Anfang der 1990er wieder in Betrieb genommen, wurde aber leider auch oft enttäuscht und vergrault. Er ist ein unemüdlicher Macher, der die Sachen auch bei Gegenwind in die Hand nimmt, improvisiert und Lösungen findet. Ein toller Mensch!

    Im Lokpark/Anheizschuppen West, des ehemaligen AW ist jedoch auch kein Platz für die 01 1063, der Verein war schon mit dem VT08 und VS08 "überfordert", welcher innerhalb weniger Jahre total unansehnlich wurde und an jeder Kante rostete. Als die zweite große Halle (Kesselschmiede) noch leer stand hätte man diese irgendwie in ein Museum umwandeln sollen und hätte auch noch das Veranstaltungskonzept da mit einbringen können. So wie das im Lokpark zur Zeit ist, ist da zu viel auf einem Haufen und man behindert sich gegenseitig bei der Arbeit, Werkstattarbeit, Lager, Pflege und Erhaltung de Fahrzeuge. Eisenbahnmuseumsarbeit ist ja immer auch ein Wettlauf gegen den schleichenden Verfall mit nur wenigen Mitteln und Aktiven.

    Alles Gute, danke für die Erwähnung,
    Arnold