Bahnpostbetrieb auf der ehemaligen Innerstetalbahn im Oberharz

Text von Buchautorin Ingrid Lader zur ehemaligen Innerstetalbahn.

 

Nur die wenigsten Leute werden heute noch wissen, dass es auf der Bahnstrecke der Innerstetalbahn von Goslar nach Altenau früher auch einen Bahnpostbetrieb gegeben hat. Mit Beendigung des Winterfahrplans 1955/56 und der Einführung der Schienenbusse wurde dieser Betrieb eingestellt.

 

Bereits seit Eröffnung der Strecke im Oktober 1877 in Clausthal-Zellerfeld war es möglich, Briefe, Pakete und Wertsendungen im ersten Zug um 7 Uhr ab Clausthal-Zellerfeld befördern zu lassen, der zweite Zug um 13.40 Uhr war nur für Briefsendungen zugelassen, im dritten Zug um 17.50 Uhr wurde keine Post mitgenommen.

 

Ein Gesetz über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28.Oktober 1871, bildete die Grundlage für die Beförderungen.

Bild rechts:

Hier sieht man links die sogenannte "Sommerhalle" vom Bahnhof Clausthal-Zellerfeld. Dahinter sieht man einen kleinen Pferde-Karren. Damit wurden Briefe und Pakete von der Post, die damals am Kronenplatz in Clausthal war, zum Bahnhof gebracht. Alles kam dann in einen Postwaggon, in dem ein Mitarbeiter mitgefahren ist und gleich angefangen hat mit abstempeln und sortieren.

Hier sieht man links die sogenannte "Sommerhalle" vom Bahnhof Clausthal-Zellerfeld.
Hier sieht man links die sogenannte "Sommerhalle" vom Bahnhof Clausthal-Zellerfeld.

Die kleinen Karren warteten auf das, was der Zug mitgebracht hatte - die beiden größeren Wagen waren zur Personenbeförderung eingesetzt.
Die kleinen Karren warteten auf das, was der Zug mitgebracht hatte - die beiden größeren Wagen waren zur Personenbeförderung eingesetzt.

Bild links:
Die kleinen Karren, ganz rechts am Bildrand, warteten auf das, was der Zug mitgebracht hatte, und nahmen alles mit zum Postamt. Die beiden linken größeren Wagen waren zur Personenbeförderung eingesetzt. Der Bahnhof Clausthal-Zellerfeld ist von der Straßenseite mit dem Bahnhofsvorplatz zu sehen.

Eine Nachricht, die mit viel Unmut in der Bevölkerung aufgenommen worden ist, war die Einrichtung der sogenannten Bahnsteigsperren. Der Zugang zum Bahnsteig musste jetzt von einem Bahnbeamten freigegeben werden. Es durften ausschließlich Reisende mit einem entsprechenden Fahrausweis den Bahnsteig betreten. Andere Personen hatten nur Zutritt, wenn sie eine Bahnsteiggebühr bezahlt haben. Hierüber kam es zu einer Beschwerde beim zuständigen Handelsminister. Diese sogenannten Bahnsteigkarten sollten wieder abgeschafft werden, „damit namentlich dem Publikum Gelegenheit geboten werde, Briefe noch in den Postwagen der Eisenbahn werfen zu können. Nicht umsonst besteht diese dankenswerte postalische Einrichtung, und es wäre in der Tat nicht gut, sie in dieser Weise verkümmert zu sehen.“

 

Ab dem 1. Januar 1882 wurde die Eisenbahnstation Clausthal-Zellerfeld ermächtigt, private Telegramme zur Beförderung anzunehmen. Bisher war es nur erlaubt, „eisenbahndienstliche“ Telegramme zu befördern.

 

In den letzten Jahren vor der Einstellung der Bahnpost sind in den Personenzügen 12 Meter lange Postwagen gelaufen. Einige alte Bahnpoststempel sollen an die Zeiten der Bahnpost Goslar – Altenau erinnern.

 

Bahnpoststempel auf der Innerstetalbahn
Bahnpoststempel auf der Innerstetalbahn

 

Viele weitere Informationen über die Bahnstrecke und ihre Geschichte gibt es in dem Buch „Die Innerstetalbahn im Oberharz“, das derzeit noch mit einem Restbestand über BNR zu beziehen ist. Eine Neuauflage des Buches wird es nicht geben.


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Kommentare: 6
  • #1

    Herbert Trentmann (Freitag, 02 April 2021 20:01)

    ..... ich bin gerade zurück von einer schönen und erfolgreichen REHA in CLZ. Diesen Bericht hat mir ein Freund geschickt. Ich wüsste gern wo der Bahnhof gestanden hat und vermute im Stadtteil Zellerfeld. Liege ich damit richtig? Frohe Ostern

  • #2

    Jürgen Elsholz (Samstag, 03 April 2021 13:36)

    Guten Tag Herr Trentmann,

    der ehemalige Bahnhof Clausthal-Zellerfeld lag im Tal zwischen den Städten "Clausthal" und "Zellerfeld", die 1924 zur Stadt Clausthal-Zellerfeld vereint wurden!
    Im Übrigen steht das Gebäude vom ehemaligen Bahnhof Clausthal-Zellerfeld noch an seinem alten Platz - vom Bahnhof fährt immer noch die Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht!

    In den Büchern von Buchautorin Ingrid Lader ist der Bahnhof Clausthal-Zellerfeld beschrieben, speziell in dem Buch:
    Die Innerstetalbahn früher ... und was man heute noch von ihr sehen kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Elsholz

  • #3

    A.L. (Mittwoch, 05 Mai 2021 07:04)

    Gestern kam in "Hallo Niedersachen" auf N3 ein Bericht über den Wildemann-Tunnel, der ja an einer Seite noch offen ist,. am anderen Ende hat ein Spassvogel drei Reflektoren angebracht, sodass es so aussieht, als wenn da ein Dreilichtspitzensignal drin zu sehen ist.

    Ich habe schon seit Jahren eine Radtour zur und auf der Innerstetalbahn vor. Vielleicht wirds diesen Sommer mal was ;-)

    Off Topic: Bei Werlaburgdorf wird gerade eine neue Fuß- und Fahrradwegbrücke über die Oker nach Börßum parallel zur Warnetalbahnbrücke gebaut, ist fast fertig. Ich war vor wenigen Tagen dort. Könnte evtl. auch für Hans-Dieter Lewandowski von Interesse sein?

    Gruß, Arnold

  • #4

    Hans-Dieter Lewandowski (Mittwoch, 05 Mai 2021 13:14)

    Hallo Arnold,
    vielen Dank für den Hinweis. Den Beitrag auf N3 in "Hallo Niedersachsen" zum Überbleibsel unserer ehemaligen Harzbahn, bzw. Innerstetalbahn habe ich gesehen und aufgezeichnet. Über eine Radtour über die Trasse der ehemaligen Innerstetalbahn habe ich auch schon nachgedacht. Allein die Hinfahrt von Rothemühle bis nach Langelsheim ist mir per Drahtesel etwas zu weit.
    Von einer Fuß- und Fahrradbrücke über die Oker hatte ich damals, als es mir gelang, die Teilstrecke der ehemaligen Braunschweigischen Südbahn vor dem Rückbau zu bewahren und mit Mitteln des Landes Niedersachsen von der DB abzukaufen, auch schon mal geträumt. Bin selber oft genug mit Dampf, Diesel, Auto und auch Draisine über die mit Bohlen ausgelegte Bahnbrücke gefahren. Mittlerweile ist mein Interesse an der sogenannten Warnetalbahn allerdings deutlich abgeflaut.

    Grüße, Dieter

  • #5

    A.L. (Freitag, 07 Mai 2021 20:20)

    Hallo Dieter,

    so eine Radtour komplett von Braunschweig bzw. Rothemühle nach Altenau ist in der Tat sehr anspruchsvoll, ich schätze mal 140-150 Kilometer Hin- und Rückfahrt zusammen und ein paar beachtliche Steigungen außerhalb der Bahntrasse möglich. Als Zeitaufaufwand schätze ich um die 12 Stunden inklusive Pausen für die ganze Strecke per Rad.
    Man kann auch Teilstrecken mit dem Zug fahren, z.B. bis SZ-Ringelheim oder Goslar. Allerdings ist das zur Zeit wegen Mundschutz und Coronavirus im Zug nicht unbedingt was für mich.

    Über Okerbrücke Börßum-Werlaburgdorf führte der Weser-Heide-Harz-Fernradweg, in vielen Karten und Navigatoren ist der Weg noch eingetragen, aber seit bestimmt über 10 Jahren keine Bohlen mehr drauf. Habe da trotzdem ein paar verirrte Radfahrer über die Bahnbrücke schieben sehen, mutig mutig und gefährlich war das.
    Die neue Brücke ist nördlich der Bahn gebaut worden, vorher lagen da ein paar alte Fundamente von einer Feldwegbrücke. Blickrichtung Börßum, Bild von Ende März, aktueller Zustand ist weiter voran geschritten.
    https://abload.de/img/okerbruecke_boerssum_1lku0.jpg

    In Börßum soll außerdem in Richtung Osten ein kleines Stück der ehemaligen Südbahn auch zum Radweg werden.
    https://www.braunschweiger-zeitung.de/wolfenbuettel/article232151965/Neuer-Fuss-und-Radwanderweg-wird-zum-Streitthema-in-Boerssum.html

    Gruß, Arnold

  • #6

    Hans-Dieter Lewandowski (Sonntag, 09 Mai 2021 11:40)

    Hallo Arnold,

    du hast ja völlig Recht. 120 km Radtour an einem Tag abzustrampeln ist bestenfalls ein Pensum für durchtrainierte E-Bike Profis. Habe nur ein ganz normales Tourenrad, allerdings auch einen Fahrradträger für die Anhängerkupplung. Möglicherweise kann man sich mal mit dem Fahrrad, das man mit dem Auto oder der Bahn transportiert, in Langelsheim treffen und einen Abstecher in Richtung der alten Bahntrasse über Lautenthal bis zumindest nach Clausthal-Zellerfeld machen.

    Vielen Dank auch für die Links zu den Radwegaktivitäten im Raum Börßum. Der vom Börßumer Bürgermeister geplante Radweg verläuft allerdings nicht auf der Trasse der ehemaligen Braunschweigischen Südbahn, die die Braunschweigsche Staatsbahn westlich von Börßum über Salzgitter-(Bad), Ringelheim, Neuekrug, Seesen und Gandersheim mit einer Gesamtlänge von 60,7 km am 05. August 1856 eröffnete. Der in Börßum geplante Radweg liegt im Osten des Ortes auf der Trasse des ehemaligen Lückenschlusses, Jerxheim - Börßum, den die Braunschweigische Staatseisenbahn mit einer Länge von 23,2 km erst am 01. Mai 1868 in Betrieb nahm. Die gemeinsame Streckennummer 1940 für die beiden ursprünglich unabhängigen Streckenabschnitte wurde erst später von der Deutschen Reichsbahn vergeben.

    Grüße, Dieter